Blühender Löwenzahn

Ich will lieber Ja-Sagen!

Ich will lieber Ja-Sagen, aber in der Realität sieht es anders aus. Ständig muss ich Nein sagen. Im Job, wenn mein Vorgesetzter kommt und mir noch einen weiteren Arbeitsbereich anvertrauen will: „Nein, das schaffe ich nicht auch noch!“. In der Familie, wenn mein Mann Musikunterricht für den Sprössling anregt und meinen Fahrdienst wie selbstverständlich erwartet: „Nein, das kann ich nicht zusätzlich leisten!“. Mit meinen Freunden, wenn sie mich gefühlt jedes Wochenende ins Kino einladen, zum Essen, zum Tanzabend und so weiter: „Nein, das wird mir zu viel!“

„Nein“ als Schattenseite der Achtsamkeit?

Mit der liebevollen Achtsamkeit für mich selbst drängt sich dieses fette Nein in mein Leben. Die wachsenden Aufgaben, das größer werdende Netzwerk – beruflich wie privat. Die Begeisterung und Leidenschaft für die Dinge, die ich liebe, führen dazu, dass ich innerlich rebelliere. Es wird alles zu viel. Das Nein wird immer größer und lauter. Und ich fühle mich immer schlechter.

Ich will gut für mich sorgen!

Denn mit jedem Nein wächst mein Gefühl, zu versagen. Es nicht zu schaffen. Zu schwach zu sein. Ständig andere zu enttäuschen. Dabei will ich gut für mich selbst sorgen! Das muss doch möglich sein!

Ich mag nicht müssen…

„Muss“ – neben „nein“ noch ein Wort, das sich in mein Leben drängen will und mich beklemmt. „I mog ned miassn, i mog meng“ steht in tiefstem Bayrisch auf einer Postkarte, die über meinem Schreibtisch klebt. In Hochdeutsch: „Ich möchte nicht müssen, ich möchte mögen.“ Oder wie meine Oma mir einst in mein Poesie-Album schrieb:

Plagt dich in tiefer Brust
Das harte Wort „du musst“
So macht dich eins nur still
Das stolze Wort „ich will“

Genau! Und „Nein“ hat – gefühlt – nichts mit „wollen“ zu tun, dafür ganz viel mit „müssen“!

Wie komme ich da jetzt raus – hin zu mehr Wohlbefinden und einer klaren Ansage für mich selbst und die Menschen, die mir wichtig sind: Chefs, Familienangehörige, Freunde?

Wie wäre es mit Ja-Sagen?

Ganz einfach: Wie wäre es mit Ja-Sagen?

Beim Wörtchen Ja macht mein Gemüt einen Hüpfer. Das fühlt sich gut an! So gar nicht nach Versagen und „Ich schaffe das nicht!“. Viel mehr nach „Ich achte gut auf mich“ und be-jahe mich auf ganzer Linie!

Wie das wohl im konkreten Fall klingen mag?

Wenn der Chef mir das nächste Mal eine weitere Aufgabe anvertrauen möchte, evaluiere ich erst einmal in Ruhe meine To-Dos. Droht es zu viel zu werden für mein Stundenkontingent? Dann sage ich fröhlich Ja zu den Aufgaben, die ich bisher schon tue. Ich sage Ja zu gewissenhafter und fristgerechter Erledigung der mir anvertrauten Aufgaben. Oder ich lasse meinen Chef entscheiden, welche der Aufgaben ich wann erledigen soll. Denn die Verantwortung für meine Arbeitszeit trägt letztlich er. Das Nein zum Neuen brauche ich dann gar nicht mehr nennen.

Wenn mein Mann mit der Idee des Musikunterrichts für den Sprössling kommt, sage ich: „Klar!“. Mein Fitness-Programm will ich nicht opfern. Hier gilt es also eine andere Lösung als mich als Chauffeur zu finden. Das liebevolle Ja zu mir selbst und zu meiner guten körperlichen Verfassung überzeugt auch meinen Mann.

Und wenn meine Freundinnen mich wieder für eine gemeinsame Zeit einspannen möchten, sage ich ihnen, dass ich das nächste Mal gerne wieder dabei bin, dieses Mal aber aussetze. Denn der Termin mit mir selbst stehe schon lange im Kalender. Ich verkünde ein liebevolles Ja zu mir selbst!

Wo drückt Sie ein dickes Nein?

Drehen sie es einfach einmal herum, indem sie überlegen, wozu Sie Ja sagen, indem Sie Nein sagen. Und dann sagen Sie lieber Ja als Nein. Mit ein bisschen Übung gelingt Ihnen das immer häufiger – und Sie werden merken, wie viel entspannter und fröhlicher Ja-Sagen ist.

Tina Tschage

Tina Tschage hat Theologie studiert und das redaktionelle Handwerkszeug erlernt. Sie lebt in München und arbeitet heute freiberuflich als Coach, Speaker und Autorin. Tina liebt es, Menschen an den Meilensteinen des Lebens einfühlsam und mit großer Klarheit zu begleiten, auf das sie glücklicher werden und die Herausforderungen des Lebens entspannter meistern.