Outdoor Coaching mit Hindernissen

Outdoor Coaching bei massivem Kaltlufteinbruch in den Alpen. Schneefallgrenze zeitweise absinkend auf ca. 1500 m N.N. und ergiebige Niederschläge für mehrere Tage. Das ist Mitte September die Wetterprognose für mein Outdoor Coaching mit einem langjährigen Kunden. Als Standort haben wir eine Alpenvereinshütte im Stubaital auf ca. 2200 m ausgesucht. Das könnte ungemütlich werden. Oder sollten wir den Termin verschieben? Doch der Blick in unsere Kalender zeigt: keine Chance!

Aufbruch wagen

So brechen wir wie geplant auf und landen statt im Frühherbst nun mitten im Winter. Wo sonst die Orientierung keinerlei Schwierigkeiten bereitet, sind nun Wege und Stege kaum noch zu sehen. Ein unaufmerksamer Schritt kann nun schnell im eiskalten Bach enden.

Gibt es das nicht auch im alltäglichen Leben? Plötzlich ist alles anders als geplant: entscheidende Rahmenbedingungen haben sich von heute auf morgen geändert und wir sind stärker gefordert als erwartet.

Wie gehen wir mit Herausforderungen um?

Was sollen wir jetzt nur tun? Weitermachen und weitergehen, als sei alles beim Alten geblieben? Die Veränderungen einfach ignorieren? Beim Bergsteigen gibt es Ereignisse und Hindernisse, die wir nicht einfach ignorieren können. Dann gilt es nach neuen Wegen und zuverlässigen Wegweisern zu suchen. Wir sind dankbar, wenn ein anderer weiß, wie die Umgebung zu lesen ist. Der neue Wege aufzeigen kann, indem er die (Schnee-) Decke wegschiebt. So kommt er zu Hinweisen, die bisher im Verborgenen waren.

Also weiter, packen wir es an!

Dennoch ist das Steigen unter den Bedingungen heute viel mühsamer und langsamer möglich. Immer wieder stoßen unsere Füße an Hindernisse, in Zwischenräume oder kleinen Felsspalten, die wir nicht sehen konnten.

Auch mir, als Coach und Trainer-C-Bergsteigen, wird klar, dass auch der „Neue Weg“ so nicht geht. Die Praxis widerlegt eindeutig meine bisherige Überzeugung, dass eine Route, die im Winter bei hoher Schneelage mit Ski gut machbar ist, irgendwie immer auch zu Fuß zu bewältigen ist. So haben wir heute viel gelernt und trainiert, uns im Schnee bei widrigen Verhältnissen uns unseren Weg zu bahnen.

Der Abstieg: Erfahrungen verarbeiten

Bei einem großen Felsbrocken auf 2700 m drehen wir um, denn wir brauchen auch noch Kräfte und Zeit für den Rückweg zur Hütte. Auch das vergessen Pioniere auf der Suche nach neuen Wegen mitunter: Reserven einzuplanen für die sichere Rückkehr ins Basislager. Bei allem Engagement für Beruf und Karriere, werden dann die eigene Gesundheit, die Beziehungen zu Freunden und Familie vernachlässigt oder auch einmal ganz aufgegeben.

Beim Abstieg treffen wir noch auf einen besonders netten Bergkameraden, der es aber vorgezogen hat, im Talbereich zu verweilen. Trainings-Erfahrungen, wie wir sie beim Outdoor Coaching machen konnten, weil wir manche Widrigkeit auf uns genommen haben, bleiben ihm verwehrt.

Wir dagegen können vieles, was wir draußen beim Wandern erlebt und uns zum Teil mühsam erarbeitet haben, übertragen auf die Besprechung und Klärung der Fragen, für die mein Klient Coaching-Tage mit mir gebucht hatte.

Dipl.-Ing. Michael Seiß kommt aus Rosenheim und ist einfühlsamer Coach für Menschen mit feinen Sensoren sowie lizenzierter Trainer für Ziel-, Selbst- und Zeitmanagement. Seine Berufung ist es, die besonderen Stärken hochsensibler Menschen zu entdecken und zu fördern.