Pferdecoaching Dr. D Schröder

Pferdecoaching: Welchen Spiegel sie uns wirklich vorhalten

„Pferde sind wie ein Spiegel des Menschen“ kann man häufig in Büchern über Pferdecoaching lesen. Aber was ist damit genau gemeint? Reagiert das Pferd auf meine Pickel im Gesicht? Findet es das blaue T-Shirt zu alt und abgetragen? Stimmen meine Proportionen zueinander?


Ganz im Gegenteil: Pferde verhalten sich wertfrei, weil sie nicht reflektieren, sondern den Menschen nehmen, wie er in dem Augenblick gerade ist. Welche Energie bringt er mit? Ist er souverän oder ängstlich? Vermittelt er Sicherheit? Ist er locker im Körper oder angespannt? Setzt er Grenzen oder dürfen Pferde respektlos sein?
Als Fluchttiere erfassen Pferde den Menschen ganz genau, weil sie auf ihren Instinkt zum Überleben angewiesen sind.

Welche Energie habe ich beim Pferdecoaching?

Pferde sind Herdentiere und bewegen einander mit möglichst wenig Energie. Ist die Herdenstruktur klar, reicht das Abklappen eines Ohres des Ranghöheren, um dem Rangniedrigeren eine Ansage zu erteilen. Dies kann z. B. heißen: „Ich fresse jetzt“ oder „Ich will in den schattigen Unterstand“. Erst wenn das andere Pferde nicht reagiert, steigert das Ranghöhere seine Energie. Solange, bis es die gewünschte Wirkung erzielt. Aus dem abgeklappten Ohr wird ein aufgestellter Huf, eine leichte Drehung mit dem Hintern zum anderen. Wenn das nicht ausreicht, kommt es zu deutlicheren Attacken, die bis zum Angriff gesteigert werden können.

Arbeite ich mit einem Pferd, benötige ich, je nach Herdenrang des Pferdes, weniger oder mehr Energie, um meinen Führungsanspruch durchzusetzen. Ist dieser geklärt, reichen in der Regel feine Signale aus, um dem Pferd deutlich zu machen, was ich möchte. Anhalten des Pferdes geschieht allein über Ausatmen. Dabei stelle ich mir vor, wie zwei Anker aus meinen Füßen in den Boden gleiten. Will ich die Gangart des Pferdes erhöhen, z. B. aus dem Schritt in den Trab wechseln, muss ich Energie aufbauen, mit dem ich das Pferd schneller bewege.

Pferdecoaching

Energie aufbauen und dabei gelassen bleiben

Bei der Arbeit mit Pferden beobachte ich eines bei meinen KlientInnen immer wieder. Viel Energie wird mit Druck und Anspannung, wenig Energie mit erschlaffter Muskulatur verwechselt. Doch tatsächlich wird bei der Regulierung des Energieflusses mit weniger und mehr Körperspannung gespielt. Ohne diese kann die Energie nicht fließen, weil sie durch zu viel oder zu wenig Anspannung blockiert wird.
Sie kennen das: Haben wir zu wenig Körperspannung und wenig Energie, fällt es uns schwer, uns überhaupt aufzuraffen. Haben wir zu viel davon, sind wir gestresst und arbeiten oberhalb unserer Leistungsgrenze. Das eine führt zum Boreout (Unterforderung) oder in die Depression, das andere ins Burnout oder zu Angststörungen.

Wie sich das Energielevel im Pferdecoaching zeigt

Arbeite ich mit einem Pferd, zeigt sich schnell, in welchem Energielevel und in welcher Körperspannung ich mich befinde. Manchmal bin ich, vor allem morgens, noch nicht so leistungsbereit. Mein Energielevel ist niedrig. Das zeigt sich in der Arbeit mit meinem Pferd, das einfach nur vor sich hin schlurft. Wenn mich das frustriert, sinkt meine Selbstwirksamkeit, und statt Energie steigt meine Anspannung. Auf die reagiert meine Stute aber, indem sie stehen bleibt. Schaffe ich es dagegen, mehr Energie aufzubauen, meinen Körper zu mehr Aufrichtung und Körperspannung zu bekommen, fließt Energie zum Pferd: Es bewegt sich fast wie von selbst und unsere gemeinsame Arbeit ist plötzlich leicht und macht Spaß.

Pferde als Tankanzeige nutzen

Pferde sind so etwas wie unsere Tankanzeigen. Manchmal komme ich auf den Hof, und habe noch gar nicht bemerkt, dass mich ein Thema beschäftigt und blockiert. Die Pferde zeigen es mir sofort. Bei mir ist es eher so, dass ich so angespannt bin, dass meine Energie nicht beim Pferd ankommt. Ich sorge dann dafür, dass ich neben dem Pferd entspanne, loslasse und eine positive Körperspannung aufbaue. Ich beginne mich in meinem Körper wieder wohl zu fühlen. Ich kann negative Gedanken loslassen und bin wieder mit mir im Reinen. Andere haben zu viel Energie und üben Druck aus: Der Stress lässt das Pferd eher losrennen, und es kann sich meistens nicht auf die gestellten Aufgaben konzentrieren. Auch hier gilt es wieder bei sich anzukommen. Anspannungen werden gelöst und neue Freude am Leben im Augenblick aufgebaut.

Was wir im Pferdecoaching lernen können

Pferde nehmen uns so wahr, wie wir in dem Augenblick tatsächlich sind. Sind wir steif in der Hüfte, können Pferde nicht laufen. Beißen wir die Zähne zusammen, lässt das Pferd im Kiefer und damit insgesamt nicht los. Sind wir unkonzentriert, macht das Pferd, was es gerade für richtig hält. Weil es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt, kann ich dem Pferd im nächsten Augenblick eine andere Lösung anbieten und es wird entsprechend reagieren.
Gerade weil Energie für Pferde ein wesentliches Thema im Umgang miteinander darstellt, sind Themen wie „Stress, Selbstwirksamkeit, Selbsthaltung und -achtung“ interessante Anfragen für pferdegestütztes Coaching. Pferde laden uns ein, bei uns selbst anzukommen. Das im Spiegel Betrachtete zu akzeptieren und neue Haltungen auszuprobieren. Das Feedback des Pferdes wird Auskunft darüber geben, ob diese neue Haltung auch im eigenen Alltag Bestand haben wird

Dr. Sabine Schröder hat Lehramt und Theologie studiert und etliche Jahre in ihrem Beruf gearbeitet. 2007 machte sie sich als systemische Coachin, Supervisorin und freiberufliche Referentin selbstständig. Pferde begleiten sie schon seit meiner Kindheit. So hat sie eine Weiterbildung als pferdegestützter systemischer Coach absolviert und bietet seitdem pferdegestützte Trainings an.

Weiterer Blogbeitrag zum Thema Pferdecoaching: Wie Pferde deine Berufung coachen.